Wo neues folgen soll, muss altes weichen

21. März 2018 | Gedankenkarussell, Selbstfindung | Sag mir, was du denkst!

Zugegeben, ursprünglich sollte es ein (zwar bedeutsames, aber im Grunde doch) simples Posting auf Instagram werden. Aber kurz fassen fällt mir, wie treue Leser mittlerweile wissen dürften, schwer – erst recht bei emotionalen Themen, und wenn die Worte nur so aus mir heraussprudeln. Die Thematik weiter in den Kommentaren ist mir auch eindeutig zu dämlich, und weil ich für mehr Worte doch eigentlich diesen Blog führe, geht diese geballte Ladung an Emotionen vollkommen ungeplant hier online. Und mal im Ernst – Zeit wird’s ohnehin mal wieder für einen Beitrag, also here we go.


Wo neues folgen soll, muss altes weichen. Auch wenn das bedeutet, dass man am Folgetag Muskelkater des Todes hat, und weiß, dass die anstehenden Arbeiten darauf keine Rücksicht nehmen. Ein Abschluss mit der Vergangenheit tut nun mal immer weh – in diesem speziellen Fall körperlich. Aber ich war mir eines die ganze Zeit über bewusst: Es wird sich lohnen.

Also fing ich gestern Nachmittag damit an, meinen alten Kleiderschrank abzubauen, obwohl mein neuer noch nicht einmal versandt wurde. Diesen, der jahrelang beim Anblick immer wieder die Worte in meinem Kopf widerhallen ließ, die ein Familienmitglied mir seinerzeit im Wahn an den Kopf warf. Über Jahre hinweg trug ich damit eine unschöne Erinnerung mit mir rum, die mich mit dieser Person nicht abschließen ließ, obwohl ich schon, seit dieser bestimmten Äußerung, keinen Kontakt mehr zu ihr habe. Als ich damit begonnen habe, hab ich es beim besten Willen nicht für möglich gehalten, diesen Punkt auf meiner to do-Liste noch am selben Tag abhaken zu können. Ich machte mir anfänglichen sogar die Mühe jede Schraube einzeln zu lösen, und noch während dem Abschrauben der Türen (für das ich aufgrund nicht auffindbarer Bits für den Akkuschrauber) mit dem Schraubendreher eine Ewigkeit brauchte, hatte ich ständig den Gedanken daran, keine Lust mehr zu haben, und hatte mit entsprechend schnell eintretender Erschöpfung zu kämpfen, aber ich hab mich immer wieder zum Weitermachen aufraffen konnte. Und mit den Rückwänden, bei denen ich dann doch irgendwann angekommen bin, kam der Befreiungsschlag. Der Schraubendreher fungierte ab diesem Zeitpunkt viel eher als Hebelwerkzeug, und ich brach die blöden Rückwände viel eher heraus, als das ich sie kontrolliert vom Korpus trennte. Und mit den fehlenden Rückwänden fehlte es dem Monstrum an Stabilität, es wackelte trotz sich noch darin befindenden Einlegeböden und Kleiderstangen, also legte ich kurzerhand Decken aus, um den Aufprall ein bisschen abzudämpfen, und gab ihm den letzten Rest. Und nicht nur das. Aus mir unbekannter Quelle hab ich außerdem tatsächlich noch die Kraft nehmen können, die Einzelteile nach draußen zu schaffen. Innerhalb von rund 8 Stunden hab ich, alleine und nur mit einem Schraubendreher bewaffnet, meinen altbackenen Kleiderschrank abgebaut, und ihn aus der Wohnung verbannt. Endlich ist die stetige Erinnerung an diese Person und ihre Aussage Geschichte. Ihr alter Kleiderschrank ist reif für den Sperrmüll. Ganz tatsächlich. Und es ist Platz für neues. Auch wenn das bedeutet, dass ich bis zur Ankunft meines neuen Kleiderschranks aus Kisten leben muss. Das ist ok. Und zwar vollkommen.

Und ganz ehrlich? Hätte ich gestern nur soweit gemacht, wie meine Kraft gereicht hätte, hätte ich spätestens nach der Hälfte der Zeit aufgehört. Aber es ging nie um Kraft. Es ging immer schon darum, eine stärkere Willenskraft zu haben, als fehlende Kraft aufhalten kann. Denn der Glaube in sich selbst, und das Ziel vor Augen ist es, was mich antrieb, und auch heute angetrieben hat. Gestern wollte ich um jeden Preis endlich in dem beschriebenen Punkt mit meiner Vergangenheit abrechnen, und hab mich deshalb immer wieder aufraffen können, obwohl meine Kraft schwand, und irgendwann die Lust am Vorankommen fehlte. Ich hab einfach nur noch getan. Nicht drüber nachgedacht, dass ich keine Lust mehr hatte, sondern bin einfach immer weitergegangen. Weil es mir wichtig war. Und ebenso wichtig war es mir heute, wieder über mich selbst hinauszuwachsen; gerade weil ich heute körperlich aufgrund der Strapazen von gestern total im Eimer war. Also hab ich auch die anstehende Heimarbeit gerockt. Weil ich mir für mich selbst beweisen wollte, dass ich stärker bin, als mein innerer Schweinehund. Weil ich mir nochmal bewusst werden musste, dass ich die Zügel meines Lebens in den Händen halte, und die Pferde daran auf meine Anweisungen agieren.

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