Über meinen Rohdiamanten und den wiedergefundenen Fokus

25. Januar 2017 | Gedankenkarussell | 4 Gedankengänge

Nichts halbes und nichts ganzes, das trifft sowohl auf das aktuelle Wetter zu (eiskalt, neblig, aber nicht frostig), als auch im ersten Moment auf das Beitragsbild, welches ich bis vor ’ner Stunde noch lapidar auf Instagram posten wollte, bis mir aufgefallen ist, dass die verfügbaren Zeichen nicht ausreiche, und ich mal wieder viel zu viel zu sagen haben.

 

Der Fokus auf diesem Bild ist hinter einem Schleier von Unschärfe versteckt, und nicht sofort erkennbar. Wer hingegen genau hinschaut, sieht vielleicht, was auch ich sehe. In der Perspektive, in der ich fotografiert habe, sieht ein kleines Stück Eis aus wie ein Diamant, und dieser Diamant hat mein Gedankenkarussell ebenso zum Kreisen gebracht, wie die Geschichte mit dem Fokus.

Ich denke grundsätzlich über die verschiedensten Dinge nach, aber manchmal verstehe ich nicht, wem oder was ich das zu verdanken habe. Ist es nicht suspekt ein Bild zu betrachten, und plötzlich 51714 verschiedene Gedankengänge zu haben, die man gar nicht so schnell fassen kann, wie man sie gerne zu Papier bringen würde? Besitze ich einfach zu viel Fantasie, ist das situationsabhängig, oder einfach nur meiner Kreativität zu verdanken? Verzeiht bitte die zwischenzeitlichen Gedankensprünge, in meinem Kopf sah das zum Zeitpunkt des Denkens nicht anders aus!

Jedenfalls, um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Ich habe kürzlich mal wieder den Fokus verloren, und ein Rohdiamant war Schuld daran – mehr oder weniger zumindest, und wenn man einen Menschen als „Rohdiamanten“ bezeichnen kann. Ich wäre in Euphorie ausgebrochen, wenn ich nicht ein so komplizierter Mensch wäre, dass man es mir nur schwer recht machen kann. Ich befürchte, über die Jahre und meine vergangenen Beziehungen hinweg, hab ich mir eine komplizierte Fassung geschmiedet, die so viele Ecken und Kanten hat, dass der passende Diamant dazu, einfach nicht hineinpasst.

Ihr kennt vielleicht Situationen, in denen ihr euch missverstanden, oder ungerecht behandelt fühlt. Auf eine solche Situation bin ich mit meinem Rohdiamanten immer wieder gestoßen, und das war nicht nur wahnsinnig anstrengend, sondern auch verletzend. Ich hatte noch nie das Bedürfnis jemandem tausendfach zu erklären, was gar nicht geht, und was in Ordnung ist. Und nein, das hat nichts mit Bevormundung, sondern mit eigenem Empfinden zutun. Ich fand unter all den Bemühungen meines Rohdiamantens Haare in der Suppe, ob ich wollte oder nicht. Ich hab mir nie ausgesucht, depressiv und hochsensibel zu werden, das passierte einfach. Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass mein Rohdiamant es in keiner Sekunde wirklich böse mit mir gemeint, oder mir ganz bewusst weh getan hat. Das Ding ist nur, dass das schlussendlich rein gar nichts an dem Ergebnis, nämlich dem Schmerz selbst, ändert.

Zurück zum Fokus: Gestern Abend gab’s nach vielerlei Aussagen like „Du bist zu schnell beleidigt“ einen klaren Moment, in dem ich das Gefühl hatte, meinen Fokus wieder vor Augen zu haben. Zwischenzeitlich stellte sich mir die Frage, in wie weit ich meine Vorstellungen von einer perfekt unperfekten Beziehung, zum Maßstab der Dinge machen kann. Bin ich dazu berechtig, einen Menschen bis zu einem gewissen Punkt zu verändern, nur weil ich mit Charakterzügen und Schwierigkeiten der Person, nicht zurecht komme? Ich bin nach wie vor der Meinung ja, denn wenn wir mal ehrlich sind, funktioniert das wahre Leben doch ausschließlich durch Kompromisse, welche gefunden werden müssen. Menschen sind unterschiedlich, und empfinden nicht gleich intensiv. Wenn ein „Normalo“ also auf einen hochsensiblen Menschen trifft, dann ist er gezwungen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, wenn er diesem nicht ständig wehtun möchte. Es bedarf Einfühlungsvermögen, und das nicht zu knapp.

Natürlich besitzt jeder Mensch sein eigenes Leben, unabhängig davon, wie sympathisch man sich findet, und wie gerne man den Gegenüber in den Mittelpunkt stellen möchte. Es gibt immer, gerade beruflich, wichtige(re) Dinge zu erledigen, aber was man trotz allem nicht vergessen sollte ist, dass man auf Worte Taten folgen lassen muss, um sie zu untermauern. Wer also einmal behauptet Gefühle für jemanden zu haben, geht in meinen Augen die Verpflichtung ein, sich für das Wohl des anderen zu interessieren, ganz egal was drumherum geschieht. Wenn ich sage, und das erzähl ich euch bewusst, weil’s ’ne Menge mit Hochsensibilität zutun hat, dass ich nicht gut drauf bin, dann erwarte ich von meinem Gegenüber die Frage, was los ist. Ich war noch nie ein Mensch, der irgendjemandem von selbst mein Leid geklagt hat, und werde es niemals sein.

Um zum Abschluss meines Gedankenkarussell zu kommen: Ich glaube was für hochsensible Menschen ein Eisklotz ist, ist in Wahrheit die Realität von gesunder Sensibilität, und was ich nicht nur glaube sondern weiß ist, dass das was für „Normalos“ aus der Mücke einen Elefanten machen ist, für hochsensible Personen gar nicht geht! Umso wichtiger ist es, nötigenfalls zum tausendundersten Mal seinen Standpunkt zu vertreten, und die eigene Denkweise zu offenbaren. Wenn es auch dann nicht funktioniert, ist es aus reiner Liebe zu sich selbst nötig loszulassen, und nicht länger unnötig an einem Menschen festzuhalten, dem weder ihr gerecht werden könnt, noch umgekehrt. Das tut zwar durchaus weh, und ist nicht einfach, aber am Ende des Tages ist es besser so – für alle Beteiligten.

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4 Gedankengänge

  • Antworten Ulrike 26. Januar 2017 um 6:43

    Liebe Laura,
    ich weiß, dass du den Rat von jemand, der älter und erfahrener ist, nicht gerne hörst. Trotzdem versuche ich es noch einmal:
    Eine Liebe, in der man den anderen verändern möchte, ist keine große Liebe. Erst wenn man den Partner mit all seinen Macken und Widersprüchlichkeiten liebt, ja die Macken besonders liebt, dann kann man von Liebe reden.
    Ach, und noch eins: Der Mensch denkt – jeden Moment seines Lebens. Das merkt man, wenn man meditiert und versucht, das Gedankenkarussel zu stoppen. Erst mit langer Übung im Meditieren gelingt es, für ein paar Minuten ganz ohne Gedanken zu sein.
    Das ist alles ganz liebevoll von mir gemeint. Du bist eine besondere Person und ich mag Dich.
    Ich wünsche Dir alles Gute
    Ulrike

    • Antworten Laura Lehmann 26. Januar 2017 um 11:37

      Liebe Ulrike,
      nur weil ich in der Vergangenheit deiner Ratschläge betreffend nicht einer Meinung mit dir war, heißt das noch lange nicht, dass ich mir nicht gerne die Denkweise von anderen Menschen anhöre – unabhängig davon, ob derjenige „älter und erfahrener“ ist, oder nicht – zumal das Alter eher wenig mit den Erfahrungen zutun hat, aber das ist ein anderes Thema.

      Wenn du zwischen den Zeilen gelesen hättest, dann hättest du durchaus erkannt, dass es mir in keiner Sekunde darum ging, „meinen Rohdiamanten“ grundlegend zu verändern, sondern in erster Linie darum, ihn lernen zu lassen, was bestimmte Verhaltensweisen, Äußerungen oder unausgesprochene Worte von ihm in mir auslösen, und welche Reaktionen von ihm, auf meine emotionalen Ausbrüche gar nicht gehen. Für mich gibt es das ultimative Gegenstück nicht, gab es nie und wird nie geben. Gerade deswegen ist es für mich äußerst wichtig, dass ein Mensch den ich kennenlerne, ein bestimmtes Grundverhalten an den Tag legt, um eben zu verhindert, dass ich überhaupt in die Versuchung gerate, diesen Menschen komplett zu verändern. Bei dem besagten Rohdiamanten wäre es schlussendlich allerdings genau darauf hinausgelaufen, und ich habe mich ihn betreffend einfach geirrt.

      Da du allerdings so viel „älter und erfahrener“ bist, dürftest du trotzdem darüber Bescheid wissen, dass Liebe Zeit zum Wachsen braucht, und jeder für sich (gerade nach längerem Singledasein), erst einmal wieder umdenken muss, weil da plötzlich jemand ist, der die eigene Aufmerksamkeit genauso verdient, wie man selbst. Außerdem denke ich mittlerweile, dass eine große Liebe nicht dadurch eine ist, dass am Anfang alles Friedefreudeeierkuchen ist, sondern erst durch die schwierigen Situationen zu einer wird, weil es diese sind, die im besten Fall zusammenschweißen. Dass das bei meinem Rohdiamanten und mir schlussendlich nicht der Fall war, ändert allerdings auch nichts an meiner Meinung diesbezüglich.

      Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Antwort auf deinen Kommentar, ein wenig verdeutlichen, worum es mir überhaupt ging. Auch ich hab dich gern, auch wenn ich oft das Gefühl habe, dass wir beide gegensätzlich denken, und du nur die eine Seite der Medaille betrachtest.

      Alles Liebe auch für dich, und danke für deinen Kommentar!

    • Antworten Hansy 1. Februar 2017 um 2:49

      Dein Beitrag veranschaulicht nahezu perfekt, daß Du wieder einmal zwischenmenschlich Egoman reagiert hast. Deswegen hast Du keine Freunde. Du-du-du und sonst nichts. Meinungen anderer? Scheiss drauf. Ratschläge? Dir doch egal. Selbst, wenn Du mit angezogener Handbremse den Vorkommentar kommentierst, kann man doch zu jeder Zeit erkennen, wie sehr der Hass und Dein Borderline Narzismus Dich zerfrisst. Man kann halt aus einer Hauptschülerin keine Rhetorikerin machen. Und wenn Du es noch so hart versuchst. Schade.

      • Antworten Laura Lehmann 1. Februar 2017 um 12:50

        Lieber „Hansy“, sei doch bitte so gut, und erzähle mir mehr. Du scheinst meine Beweggründe, meine Denkweise, meine Erkrankungen, meine Vergangenheit, und mich im Allgemeinen, offensichtlich besser zu kennen, als ich selbst, also nur zu. Ich bin ganz gespannt auf alles, was ich (in veralteter Rechtschreibung) noch von dir zu lesen bekomme. Hab noch einen schönen Tag!

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