Harte Realität

23. Juni 2013 | Gedankenkarussell | 1 Gedankengang

Vorwort : 

Die folgende “Geschichte” ist nicht ausgedacht sondern harte Realität – Meine Realität. Ich war 15 als ich sie als Deutscharbeit meiner Lehrerin in die Hand gab. Auch wenn klar ist das es meine Geschichte ist – also wirklich mein wahres Leben, werde ich weder Ortsangaben noch Klarnamen nennen, um keinerlei Persönlichkeitsrechte zu verletzten. Also auf in den Kampf –  von Natur aus emotionale Menschen sollten Taschentücher bereit legen. Ich wünsch euch viel Spaß dabei, diesen Roman zu lesen !

Leben und/oder Tod … eher nicht, lieber den Kampf wählen!

Eine Jugendliche, nennen wir sie mal Lucy, sie ist fünfzehn Jahre alt und hat schon viel in ihrem Leben wegstecken und auch zurück stecken müssen. Ihre Eltern trennten sich als sie 12 Jahre alt war. Sie lebte mit ihren Eltern in einem großen Haus, dass sie vor Jahren gekauft hatten. Ihr Vater ist Fernfahrer und sie hat in der Kindheit wenig Zeit mit ihm verbracht. Lucy hat viele Wochenenden mit ihrer Mutter auf Flohmärkten verbracht um brauchbare Dinge zu Geld zu machen, einfach um ein wenig Taschengeld zu haben oder mal etwas Schönes zu kaufen. Ihr Vater widmete die Wochenenden eher einem Besuch im Gasthaus als seiner eigenen Familie. Die Zeit nutzte er lieber um zu trinken. So war es eine Frage der Zeit, wann es zum Bruch kommt !


Die Trennung war alles andere als schön, böse Worte, verbale Ausfälle und Handgreiflichkeiten … bis zum Erscheinen der Polizei. Diese hat Lucy selbst gerufen, aus Angst um das Leben ihrer Mutter.Nach vielen derben Ereignissen war die Trennung eine Frage der Zeit, alles musste gründlich durchdacht und auch gerechnet werden. Eine andere Wohnung war gefunden und der voraussichtliche Auszug schon geplant.An einem warmen Sommertag im Juni 2007 kam der endgültige Bruch, Lucy und ihre Mutter kamen vom Flohmarkt, ein schöner Tag sollte ruhig ausklingen. Doch es kam völlig anders. Schon kurz vor zu Hause hat Lucy ihren Vater vor der Kneipe sitzen sehen … mit einem Glas Weizenbier in praller Sonne.

Sie räumte mit ihrer Mutter die Sachen vom Flohmarkt aus dem Auto und Beide gingen ins Haus. Sie machten sich frisch und hofften das der Abend ruhig zu ende geht. Aber alles kam völlig anders und schlimmer als je zuvor. Nachdem sich Lucy und ihre Mutter geduscht hatten und den Abend vor dem Fernseher ausklingen lassen wollten kam ihr Vater nach Hause. Ohne jede Vorwarnung ging er direkt mit Drohungen auf ihre Mutter los, erst nur verbal, dann auch körperlich. Wie so oft kamen Äußerungen wie dann geh doch, nimm deine Klamotten und zieh aus. Ihre Mutter war relativ ruhig und versuchte mit Worten die Situation zu beschwichtigen, vergebens ! Mit deren Handgreiflichkeiten, die mit zwei geprellten Rippen, einem gequetschten Kehlkopf und diversen Hämatomen an den Armen ausging.

Ihr Vater wurde von der Polizei abgeführt und für die Nacht in Gewahrsam genommen. Ihm wurde ein Hausverbot von zehn Tage erteilt. Aut raten der Polizei sollten Lucy und ihre Mutter doch besser sehen das sie ihr Vorhaben jetzt in die Tat umsetzen … das hieß innerhalb der nächsten zehn Tage aus dem Haus gehen. Mit Hilfe ihres erwachsen Bruders und einem guten Freundes ihrer Mutter war der Umzug schnell vollzogen und sie konnten in ein neues, erhofftes ruhiges Leben blicken.

Doch weit gefehlt, irgendwie hat sie sich vergaben, alles geschluckt und in sich rein gefressen. Es war aussichtslos, sie wollte ihre Familie im Ganzen, doch was war ihr geblieben ? Alles schien ohne Ausweg, die Schule, die Klassenkameraden, das war für sie nicht leicht und anstatt zu reden, fand sie für sich einen anderen Weg.

Sie suchte Hilfe bei einer Beratungsstelle, wollte so das Geschehene aufarbeiten, viele Gesprächsstunden und keine Besserung. Sie fing an sich selbst zu verletzten, sie schleppte sich mit dunklen Gedanken durch den Alltag. Tiefe Schnitte am Arm und auch am Bein hat sie lange vor ihrer Mutter versteckt, obwohl auch diese immer versuchte ihr zu helfen, mit offenen Ohren vor ihr saß und nichts mehr wollte, als Lucy zu helfen. Das ging fast zwei Jahre so, schlechte Noten, Aggressionen und Schweigen war alles was von ihr kam. Endlose lange Nächte mit wenig Schlaf und vielen Tränen, keine Lust auf Lernen und Einsamkeit hielten Einzug.

Die Verzweiflung der Mutter machte sich breit, es kam zu Streit, bis hin zu Ohrfeigen und einem schlimmen Hieb mit einem dünnen Stab. Dafür schämte sich ihre Mutter bis heute, dafür gab es keine Berechtigung, aber sie wusste nicht mehr weiter. In Lucy’s Kopf spukte der schlimmste Gedanke den man haben kann, wörtlich sagte sie zu der Sozialpädagogin : “Das Beste ist ich schmeiße mich vor einen Zug, dann haben Alle ihre Ruhe !”

Da gab es für ihre Mutter, den Hausarzt und der Sozialpädagogin nur noch einen Ausweg, professionelle Hilfe. Dazu war sie dann auch bereit, sie ging für zwei Monate in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie wollte zu sich selbst finden, auch da wieder viele Gespräche, Therapien und Menschen den es ähnlich ging. Das Elend scheint sie zu verfolgen. Der 11.06.2009, ein Tag der auch ihrer Mutter immer im Gedächtnis bleiben wird, um 11 Uhr war sie zur Aufnahme mit ihrer Mutter in die Klinik gefahren, das erste Gespräch mit Beiden, Einzug ins Zimmer und gegen 14.30 Uhr musste ihre Mutter gehen. Sie war auf der geschlossenen Station wegen der Suizidgedanken, die Tür fiel ins Schloss. Besuche die sie oft nicht lange aushielt, dann Tagesbelastungen bis hin zu den Wochenendbelastungen, auch das war schwer …

Acht Wochen voller Hoffnung und mehr Lebenslust und Freude am Weitermachen. Es gab viele, aber noch mehr schlechte Tage. Nach einem Schulwechsel kamen die ersten Erfolge, mit dem Lernen wurde es einfacher, die Leistungen sprachen für sich. Das erste Zeugnis hatte Vorzeigewert, es schien besser zu laufen.  Kann Lucy jetzt die Vergangenheit hinter sich lassen, neue Freunde finden … aber diesmal solche die es ernst mit ihr meinten ?

Völlig daneben, Lucy schien das Talent zu besitzen immer an die falschen Leute zu geraten. Wieder Enttäuschungen und Tränen, wieder eine Mutter die ihr nur auf die Nerven geht, ihr keine Hilfe ist, weil sie diese Hilfe nicht will.

Mit ihrer Mutter klappte es etwas besser, aber mit ihren Problemen will sie sie nicht belästigen, sie will es alleine schaffen. Mit ihrem Vater will sie auch nicht reden, der versteht sie sowieso nicht. Ihre Oma, die immer für sie da sein wollte kann sie nicht verstehen … in ihren Augen waren die damaligen Reaktionen ihrer Mutter stark überzogen. Das war für sie leicht gesagt, sie musste auch nie mit ansehen und hören was Alles vorgefallen war. Wie heißt es so schön ? Blut ist dicker als Wasser, aber verdammt in ihr fließt das selbe Blut !

Höhen und Tiefen, wie sie ja jeder Mensch hinter sich lässt, hat sie schon genug erlebt. Jeder Tag ein neuer Schritt in ein hoffentlich besseres Sein.

Dann Anfang 2010 der nächste Schlag in die Magengrube und das obwohl man ihr einige Wochen zuvor noch sagte, sie wäre noch ein Kind und hätte keine Ahnung davon. Am frühen Abend klingelte das Telefon, ihr Vater war dran, er wollte ihre Mutter sprechen, die war aber nach der Arbeit noch einkaufen und nicht zu Hause. Auf die Frage von Lucy was denn los sei, hat er ihr von dem Tod ihrer Großvaters erzählt, einfach mal so am Telefon, als wäre es das Normalste der Welt. Da saß sie nun ganz alleine mit ihrem Schmerz, mit all den Fragen in sich, Niemand da der sie tröstend in die Arme nahm. Sie nahm ihr Fotoalbum und schaute sich die Bilder ihres Opa’s an, ließ den Tränen und Gedanken einfach ihren Lauf. So fand sie ihre Mutter, die in der Zwischenzeit auch informiert war im Wohnzimmer, zusammen gekauert im Sofa. Sie weinten Beide, sprachen über den Tod und nahmen sich in den Arm. Später kam noch ihr Vater mit ihrem Onkel. Alle waren fassungslos. Es wurde über die Trauerfeier gesprochen und über den letzten Wunsch ihres Großvaters. Es folgte eine sehr unruhige Nacht. Beiden, Lucy und auch ihrer Mutter ist das Alles auf den Magen geschlagen. Immer wieder die Frage : “Warum mein Opa ?”

Es war und ist für Lucy nicht zu verstehen. Wieder vergräbt sie sich mit ihrem Kummer, verfällt in das alte Muster. Schule egal, lernen egal. Aus dem wieder ins Leben zurückgefundene Mädchen ist wieder ein zerstörtes inneres Wesen geworden. Falsche Freunde und die Flucht ins Schweigen, führten zur Versetzung gefährdet bis zum Selbstverletzen. Aggressionen, Tränen, Wut und Hass auf Alles und Jeden. Wieder ein es muss weitergehen, egal wie.

Nach vielen Enttäuschungen ein Lichtblick, sie lernte ihren Freund kennen, einen Menschen der sie auch mit all ihren Fehlern so nahm, wie sie ist. Er stand zu ihr, hörte ihr zu, spendete ihr Trost und musste dabei selbst soviel Ungerechtigkeit ertragen das sie es oft nicht glauben konnte das er sie wirklich liebte. Endlich glaubte sie das es jetzt besser wird und sie endlich wieder unbeschwerter in den Alltag ziehen konnte.

Bis, wie konnte es anders sein das Spiel von vorne los ging … foppen, mobben, Lügen und Intrigen schienen sie wieder zu verfolgen. Es ging von vorne los, wieder keine Lust auf Schule, weil die Mitschüler zum Teil nichts besseres zutun hatten, als eben dumme Sprüche und Lügen zu verbreiten. Depressionen und Tränen, völlig fertig und ängstlich wie es weitergehen sollte.

An dieser Stelle möchte ich nun die Geschichte von Lucy beenden, denn eins ist sicher, sie wird ihr Bestes geben um das Leben zu meistern ! Das das Leben kein Honig schlecken ist hat Lucy längst begriffen, hat aber auch daraus gelernt und wird die Zukunft mit Hilfe ihrer Mutter und Menschen die hinter ihr stehen meistern und im Leben bestehen. Denn nach jeder Nacht folgt ein neuer Tag !

Nun ja, was soll ich sagen ? Ich habe diese Geschichte nicht veröffentlicht um Mitleid zu bekommen. Das möchte ich gar nicht ! Ich möchte darauf aufmerksam machen das hinter der Fassade eines Menschen, nicht alles Friedefreudeeierkuchen ist ! Fakt ist, das Leben ist nicht immer fair – aber irgendwie muss es weitergehen ! Ganz egal wie. Jeder wird seinen Weg finden ! Kommentare sind erwünscht – Beleidigungen oder dumme Sprüche werden gar nicht erst veröffentlicht ! Bis zum nächsten, nicht ganz so traurigen Post.

 

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1 Gedankengang

  • Antworten Little lion steps 23. Juni 2013 um 8:21

    …und trotzdem liest man es und hat tränen in den augen!
    ich bin mir sicher jeder hat eine dunkle geschichte hinter der immer lächelnden fassade aber keiner redet darüber!
    sehr traurig was dir alles passiert ist, aber ich finde genau solche vorfälle machen einen auch stark!
    todesfälle verfolgen einen das ganze leben, daran kann man nichts ändern, nur daran wachsen und versuchen dait zu leben!

    ich hoffe nur das es das leben auch irgendwann wieder gut mit lucy meint… 😉

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