Die pure Freiheit

21. November 2014 | Selbstfindung | 5 Gedankengänge

Aus aktuellem Anlass habe ich mein Konzept überdacht und bin zu dem Entschluss gekommen, es ein wenig an meine momentane Situation anzupassen. Was sich genau ändert möchte ich euch aber erst am Sonntag erklären, denn der Entschluss in gewisser Weise neu anzufangen, kam ganz spontan gestern Nacht, nachdem ich einen „klitzekleinen” Nervenzusammenbruch überstanden habe und es mir nach einer erneuten Verletzung so gut ging wie noch nie zuvor. Und genau über diese Gefühle, nämlich während und nach einer Selbstverletzung möchte ich heute sprechen. Nicht um diese Störung in irgendeiner Weise zu verherrlichen oder gut zu heißen, sondern lediglich um Klarheit für die Angehörigen diverser Betroffener zu schaffen.NarbenDas Gefühl während und nach meiner bisherigen Selbstverletzung war ganz klar ein anderes, als das was ich gestern empfunden habe. Bislang war es immer so, dass jede/r Reibung/Schnitt/whatever für mich wie eine weitere Last war. Ich konnte nicht anders, als dem Drang es wieder zu tun nachzugeben und war hinterher am Boden zerstört, weil ich wieder einmal einen Kampf gegen mich selbst verloren habe. Der Grund für diese Verletzungen waren häufig Gefühle die ich nicht zuordnen konnte. Es war ein wirres Chaos an Wut, Enttäuschung und Angst und die Tatsache, dass ich währenddessen rein gar nichts gespürt habe. Jeder Schnitt brachte ein wenig Ordnung in das Chaos, denn durch die Selbstverletzung, waren alle anderen Gefühle dahin. Was blieb waren die Schuldgefühle, die diese ganze Thematik erst zu einem Teufelskreis machen.Gestern war die ganze Thematik aber eine andere. All die Gedanken schienen sich von selbst geordnet zu haben und Schuldgefühle standen gar nicht zur Debatte. Erst während der Selbstverletzung konnte ich aufhören zu weinen und jeder Schnitt brachte ein wenig mehr Freiheit mit sich, sodass es mir am Ende so gut ging wie lange nicht mehr. Ich habe gestern nochmals verinnerlichen können, dass man manchmal mehrfach mit der selben Sache auf die Schnauze fliegen muss, um endgültig damit abschließen zu können. In meinem Fall handelte es sich um eine Person, die viel zu lange einen Platz in meinem Leben hatte. Durch gestern weiß ich –nun, eigentlich wusste ich das schon vorher, aber ihr wisst was ich meine–, dass ich besser ohne sie dran bin und habe bislang keinen einzigen weiteren Gedanken an sie verschwendet. Wie es in Sachen Selbstverletzung aber weiter geht weiß ich nicht, denn das wird nur die Zeit zeigen.

Ihr seht also, dass eine solche Medaille immer verschiedene Seiten hat/haben kann, was das Verstehen natürlich um einiges schwerer macht. Wenn ihr mögt, dann schreibe ich schon bald eine Fortsetzung, sodass ihr euch noch besser in mich bzw. andere Betroffene hinein versetzen könnt. Bis dahin verbleibe ich mich mit den besten Grüßen und wünsch euch noch ’nen schönen Tag.

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5 Gedankengänge

  • Antworten Ulrike vom Bambooblog 21. November 2014 um 14:20

    Liebe Laura, ich bin immer ganz entsetzt, wenn ich sowas lese. Und ich fühle mich so hilflos. Vielleicht sollte ich dir erzählen, dass ein junger Mann, den ich während seiner Kindheit häufig betreut habe, starke Borderline-Symptome gezeigt hat, bevor er sich vor einem Jahr das Leben nahm. Alle Liebe seiner Mutter, alle Therapien haben ihm nicht geholfen.
    Du hast so viel Positives in Dir, so viele Talente! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg auf dem Weg zu einem glücklichen und zufriedenen Menschen. LG Ulrike

  • Antworten k!rst!n 21. November 2014 um 14:40

    Liebste Laura,
    ich maße mir nicht an, in irgendeiner Weise davon zu sprechen, dass ich dir nachempfinden kann. Ich bin selbst keine Betroffene und vermag ganz sicher nicht nachzuvollziehen wie dein Leben mit Selbstverletzung ist. Aber ich danke dir von Herzen für deine unglaublich mutige Offenheit, mit der du mir (und natürlich allen anderen) zumindest eine Chance gibst, zu lernen zu verstehen.
    Eine liebevolle Umarmung schickt dir
    deine Kirstin

  • Antworten Goldblume 21. November 2014 um 18:13

    Das Problem beim Verständnis liegt glaube ich darin, dass jeder das Gefühl kennt schlecht drauf zu sein, einen Zusammenbruch zu erleiden oder mit etwas überfordert zu sein. Die wenigsten verletzen sich deswegen selbst. Dann ist man halt mal eine Woche depressiv gestimmt, isst 3 Tafeln Schokolade oder wendet sonst eine Strategie an, den Kummer zu vertreiben. Dies funktioniert bei den meisten Menschen gut- so dass sie nach einer kurzen Zeit wieder normal am Leben teilnehmen.
    Das Problem ist aber…wenn man komplett mit den Nerven am Ende ist und die Situation immer nur schlimmer wird, wenn immer noch mehr Probleme dazukommen, wenn man keinen Ausweg mehr sieht…dann hilft keine Schokolade und kein Mädelsabend. Man rutscht von einem Zusammenbruch in den Anderen, und noch während man versucht sich wieder aufzurappeln kommt wieder der Nächste und jeder ist Schlimmer als der Vorige. Dann hilft es nichts mehr, zu weinen, weil man keine Tränen mehr hat. Man möchte nur noch, dass dieses Gefühl aufhört. Man isst Schokolade- aber die Verzweiflung bleibt, man redet, man schreibt, man schreit, man weint, aber die Verzweiflung bleibt und dann versucht man es mit anderen Wegen und Mitteln…

    Man muss dabei beachten, dass diese Eskalation entweder passiert, wenn ein Mensch extrem schlimme Dinge erlebt haben, wie Gewalt oder Missbrauch und sie nicht verarbeiten kann- oder wenn generell die Funktion der Psyche durch eine Krankheit beeinträchtigt ist. Dann können Signale und Gefühle im Gehirn auch nicht mehr richtig verarbeitet werden. Eine ganz normale Situation kann dann schon zum Zusammenbruch führen.
    Fühl dich gedrückt, meine Liebe 🙂

  • Antworten Zeppinger 23. November 2014 um 8:34

    Vielen Dank für deine Offenheit und dass ich deine Worte lesen durfte. Ich würde mich freuen die Fortsetzung lesen zu dürfen! 🙂

  • Antworten Irene Lehmann 28. Dezember 2014 um 20:11

    Als Mutter zu lesen, was da passiert ist schlimm…an sich selbst zu zweifeln und die Gedanken zu haben,was man
    falsch gemacht hat…Mit dieser Situation und mit einem Betroffenen zu leben ist nicht einfach, stärkt aber selbst und immer da sein, aber oft nichts zu hören, auch wenn man weiß das wieder etwas im Busch ist.
    Häufig böse Worte und Beschimpfungen, man lernt zu ertragen, weg zustecken…
    Jede Narbe am Arm und Bein ist eine Narbe in meinem Herzen, aber es ist stark genug für uns Beide

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