Auf der Reise zu mir selbst

24. Juli 2017 | Selbstfindung | 2 Gedankengänge

Der letzte Beitrag ist fast zwei Monate her, und auch wenn das natürlich seine Gründe hat, hasse ich es. Alles, was in dieser Zeit passiert ist, war sowas von ungeplant, und vor allem beim besten Willen nicht schön. Vieles war nicht schön. Ich hab begrenzt auf Instagram geteilt, was mich beschäftigte, und war doch nicht einmal dort wirklich aktiv. 2009 dachte ich bereits, den Tiefpunkt meiner Depression erreicht zu haben, aber im Vergleich zu dem, was ab dem 21’sten Juni in meinem Kopf, und mit meinem Körper abging, war das ’nen Klacks. Näher mag ich hier allerdings nicht darauf eingehen, zumal alles was ich hier diesbezüglich schreiben würde, bereits auf Instagram zu finden ist. Nur soviel, der Anfang allen Übels war mehr oder weniger der Versuch rauchfrei zu werden – den betreffenden Text mit allen Gedanken rund um das Thema findest du hier. Mehr oder weniger deshalb, weil ich meine Depression wie eine Art Fass sehe, welches sich durch schwierige Situationen mit (Gefühlen in Form von) Wassertropfen füllt. Umso stärker es stürmt, also umso schwerer die Situation ist, umso höher steigt der Wasserspiegel.  Und da es einige dieser Stürme, und entsprechend bereits einiges an Wasser im Fass gab, bevor ich den Versuch gestartet habe rauchfrei zu werden (und da das nun mal alles andere als einfach, und deshalb ein recht heftiger Sturm war, immerhin rauche ich bereits seit 8 Jahren), war das der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Am 26’sten Juni entschied ich mich dann dazu, eine kleine Zwischenmeldung rauszuhauen, weil sich mit den Jahren auf Instagram ein paar liebe Menschen bei mir angesammelt haben, die sich (gerade nach einem Post wie den fünf Tage zuvor) Gedanken machen, und die ich einfach darüber in Kenntnis setzen wollte, dass ich ein wenig Abstand von allem gewinnen, und mich vorläufig aus Social Media zurückziehen werde, mitunter weil mich die Bilder mitsamt der Texte von den Menschen, denen ich folge, zu arg getriggert haben. Alle nachfolgenden Uploads haben mehr oder weniger ebenfalls mit diesem Thema, und dem Gedankenkarussell zutun, welches ein solcher Tiefpunkt einer psychischen Erkrankung mit sich bringt, aber es ging, wenn auch langsam, voran, und entsprechend wurde die Gesamtstimmung auf meinem Profil wieder positiver. Im Grunde genommen bin ich aber noch immer dabei, zu verarbeiten, was da so passiert ist, und sehe nicht zuletzt deshalb eine erneute Therapie mittlerweile als eine Möglichkeit, in der mir wieder beigebracht wird, wie ich das oben bereits genannt Fass leere, noch bevor es zum Überlauf kommt, und eskaliert. Bevor aus den vielen kleinen Stürmen, die sich angesammelt haben, ein heftiger Tornado wird.

Das ist auch der Grund, warum ich mich reingehängt, ein Gespräch mit einer Frau aus’m SOS-Beratungszentrum, die mich noch von damals kennt, und zig Telefonate hinter mich gebracht habe. Im August geht’s zum Erstgespräch zu einer Psychotherapeutin, und wohin mich mein Weg dann führt, kann ich sowas von nicht sagen. Vermutlich werde ich während der Wartezeit auf einen ambulanten Therapieplatz das ein oder andere Mal in der SOS-Beratungsstelle vorbeischauen, oder aber mich mit der hier zuständigen Frau vom sozialpsychiatrischen Dienst treffen. Letzteres steht ohnehin heute in einer Woche an, einfach weil ich gerne im Vorfeld wüsste mit wem ich’s da zutun habe, an wen ich mich in schlimmen Krisen wenden kann, und weil ich es für sinnvoll halte, dass sie mich kennenlernt, wenn ich nicht inmitten einer Katastrophe stecke. Ich hoffe allerdings, dass ich einen solch heftigen Tornado nie wieder erleben muss, sobald ich grundsätzlich gelernt habe, wie ich das Fass zu leeren habe, oder zumindest weiß, wo ich für den Moment Schutz suchen kann. Kann ich so aber auch irgendwie nicht sagen, immerhin stand der Lieblingsmann mir in dieser bescheidenen Zeit zur Seite, hat alles stehen und liegen lassen, seine Jobsuche pausiert, und mir den Raum und die Möglichkeit gegeben, mich wieder aufzurappeln. Schutz finde ich also in jedem Fall, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass ihr wisst, dass ich das nicht mit dem vorletzten Satz gemeint habe. Sagen wir also ganz optimistisch: Ich hoffe inständig, dass ich einen solchen Tornado gar nicht mehr erleben werde, weil ich mit der Zeit und den Gesprächen lernen werde, wie das Fass zu leeren ist. Und für den Fall, dass es trotz neu erlerntem zu einem Tornado kommt, so unterscheidet er sich sicherlich zumindest in der Intensität.

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2 Gedankengänge

  • Antworten Aileen 1. August 2017 um 10:46

    Ich finde es schön zu lesen, dass es dir wieder besser geht und du für dich einen Weg finden möchtest, mit deinen Gefühlen und deinem Fass umzugehen. Im Übrigen finde ich es auch sehr schön, wie du deine Gefühle darstellst & damit eben das Fass beschreibst, das stetig mit den Tropfen, die deine Gefühle darstellen, gefüllt wird. Ich denke dadurch kann ein Außenstehender, der vielleicht nicht den direkten Zugange zu der Erkrankung hat, wirklich einmal sehen, was da in dir vorgeht.

    Ich finde es gerade etwas schwer, die richtigen Worte zu finden, muss ich ehrlich sagen, aber ich möchte dir sagen, dass ich es toll finde, dass du so viele Telefonate hinter dich gebracht und nun Termine hast mit Menschen, die dir (hoffentlich) helfen können, dein Fass zu leeren und mit den Situationen die dich beschäftigen umzugehen. Für mich stecken in deinem Text auch definitiv durchaus sehr positive und optimistische Gedanken – ich hoffe, ich habe das nicht falsch verstanden – und das ist toll!

    Es freut mich auch sehr, dass du deinen Lieblingsmann an deiner Seite hast, der dir Halt und Hilfe ist 🙂

    Alles Liebe, Aileen

    • Antworten Laura Lehmann 8. August 2017 um 12:21

      Liebe Aileen,
      ich finde, du hast genau die richtigen Worte gefunden, und für eben diese möchte ich dir danken. Den „Fass-Vergleich“ hab ich in einer Privatnachricht auf Instagram formuliert, und fand ihn grundsätzlich so passend, dass ich ihn öffentlich teilen wollte – und der bot sich hier davon abgesehen einfach an. In jedem Fall hab ich Hoffnung, dass es nicht nur dabei bleibt, dass ich der Empfängerin ein wenig die Augen geöffnet habe, sondern das mir das mit diesen Worten auch noch bei einigen anderen Außenstehenden gelingt.

      Und ja, zwischen den Zeilen steckt auf jeden Fall ein wenig Optimismus, wenngleich ich nach wie vor durchaus Angst davor habe, mir diesem auf die Nase zu fallen. Aber wie ich kürzlich erst zum Lieblingsmann sagte: „Wer den Tag positiv beginnt, kann zwar enttäuscht werden, hat bis zur Enttäuschung aber zumindest einen guten Tag.“ Und so doof das auch klingt, irgendwie hilft mir diese neu erlangte Erkenntnis, und mit dem Lieblingsmann an meiner Seite ist ohnehin alles irgendwie überwindbar.

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